Legionellen in Wasserleitung
Legionellen kommen allgegenwärtig in Süßwasser vor und können sich in wasserführenden Anlagen vermehren. Bei Mängeln in Trinkwasser-Installationen können erhöhte Konzentrationen auftreten. Dann ist schnelles Handeln gefragt. Denn Legionellen stellen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Die stäbchenförmigen Bakterien leben im Wasser und können durch Tröpfchenübertragung die Infektionskrankheit Legionellose auslösen.

Inhalte des Artikels

Warum sind Legionellen so gefährlich?

Legionellen sind eine Gattung stäbchenförmiger Bakterien. Die im Wasser lebenden, nicht sporenbildenden Bakterien bewegen sich durch Geißeln fort. Die bekannteste Art ist die Legionella pneumophilia. Sie kann die Infektionskrankheit Legionellose auslösen. Die Legionärskrankheit, oder Legionellen-Pneumonie, ist eine Form der Lungenentzündung und stellt damit ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Jährlich werden in Deutschland über 1000 Todesfälle gemeldet.

Wie werden Legionellen übertragen?

Eine Infektion mit Legionellen passiert hauptsächlich durch das Einatmen von Aerosolen, zum Beispiel während des Duschens. Händewaschen und Trinken von legionellenbelastetem Wasser gilt für gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem als unbedenklich. Die Übertragung von Mensch zu Mensch wird bisher ausgeschlossen.

Wie vermehren sich Legionellen?

Warmes Wasser bietet optimale Wachstumsbedingungen für die Vermehrung von Legionellen. Ideale Bedingungen herrschen ab 25 °C, zwischen 25 und 45 °C vermehren sie sich am stärksten. Wassertemperaturen über 55 °C hemmen das Legionellenwachstum effektiv, bei Temperaturen über 60 °C sterben die Keime schließlich ab.

Legionellen überleben bei Temperaturen zwischen 60 °C und 70 °C Minuten, bei Temperaturen oberhalb 70 °C Sekunden.

Wo finden sich kritische Stellen in der Trinkwasser-Installation?

  • Warmwassererzeugungsanlagen (Wassertanks und Boiler)
  • Kaltwasserleitungen mit langen Stillstandzeiten bei Temperaturen über 25 °C
  • Kaltwasserleitungen mit Wärmeeinwirkung von außen oder zu Thermomischern
  • Zirkulationsleitungen
  • Totleitungen (z.B. nicht rückgebaute Rohrleitungen, zu lange Rohrleitungen zu Sicherheitsventilen)
  • Endstränge mit geringer Wasserabnahme

Woran erkennt man Legionellen im Wasser?

Eine Kontamination mit Legionellen wird in den meisten Fällen im Rahmen der Untersuchungspflicht gemäß der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) erkannt. Legionellen im Wasser lassen sich anhand standardisierter Probenahme- und Analyseverfahren nachweisen. Spezialisierte Labore führen die Probenahme und -analyse gemäß TrinkwV durch.

Was ist der technische Maßnahmenwert?

Bei bau-, betriebs- oder verfahrenstechnischen Mängeln in Trinkwasser-Installationen können die Konzentrationen über dem technischen Maßnahmenwert der Trinkwasserverordnung liegen. Dieser gilt als spezieller Indikatorparameter in Anlagen der Trinkwasser-Installation und liegt für Legionella spec. bei 100/100 ml.

Wie gelangen die Legionellen in die Trinkwasser-Installation?

Trinkwasser ist grundsätzlich nicht steril. Legionellen kommen allgegenwärtig vor. Erst eine Konzentration oberhalb des technischen Maßnahmenwerts der Trinkwasserverordnung gilt als kritisch.

Mikroorganismen benötigen Nährstoffe zum Vermehren. Diese kommen aus Verunreinigungen beim Neubau und bei der Reparatur von Trinkwasser-Installationen.  Nährstoffe stammen unter anderem aus:

  • ungeeigneten Werkstoffen der Rohrleitungen, insbesondere Dichtungen und Membranen
  • nicht ausgespülten Montage-Hilfsstoffen
  • Kontaminierten Filter, Wasserzählern, Druckerhöhungs- oder Wasserenthärtungsanlagen
  • unzureichend abgesicherten Zuleitungen des Trinkwassers

Welche Bedingungen begünstigen das Legionellenwachstum?

Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik liegt bei bestimmungsgemäßem Betrieb die Kaltwassertemperatur bei regelmäßiger Wasserentnahme unterhalb 25 °C und die Warmwassertemperatur der gesamten Zirkulation oberhalb 55 °C.

Probleme treten auf, wenn:

  • Kaltwasser ist zu warm: über 25 °C, sollte idealerweise unter 20 °C betragen
  • Warmwasser ist zu kalt: unter 55 °C, sollte idealerweise 60 °C betragen
  • Zu geringe Temperatur im Warmwasser- und Zirkulationssystem, wobei die Rücklauf-Temperatur nicht unter 55 °C fallen darf (5K-Regel)
  • Wärmedämmung der Rohrleitung ist nicht ausreichend: z.B. Kalt- und Warmwasser-Zuleitungen zu eng zusammenliegend oder zu nah an der Heizungsleitung
  • Nicht bestimmungsgemäßer Betrieb: keine regelmäßige Wasserentnahme
  • Kein hydraulischer Abgleich der Zirkulationsleitung

Was ist der Unterschied zwischen Desinfektion und Reinigung?

Die Desinfektion dient dem Abtöten und damit der Inaktivierung unerwünschter Mikroorganismen. Es ist zu unterscheiden zwischen Anlagen- und Trinkwasserdesinfektion.

  • Bei der Anlagendesinfektion wird die Trinkwasser-Installation außer Betrieb genommen. Es wird zwischen chemischer und thermischer Desinfektion unterschieden.
  • Bei der Trinkwasserdesinfektion dürfen nur Stoffe der Liste nach §11 der TrinkwV verwendet werden. Die Liste legt Reinheit und maximale Konzentration dieser Stoffe fest. Sie werden dem Trinkwasser kontinuierlich zudosiert.
 

Die Reinigung dient zum Entfernen von Verunreinigungen mittels Verfahren unter Einsatz von Wasser mit und ohne Zusätze (z.B. Luft oder Feststoffe). Dabei ist zwischen Neuanlagen, Reparatur und Bestandsanlagen zu unterscheiden.

  • Bei Neuanlagen und Reparatur sind Montage-Hilfsmittel und unvermeidbare Verunreinigungen auszutragen.
  • In Bestandsanlagen bilden sich mit der Zeit Ablagerungen und Biofilme. Sie bestehen aus organischen oder anorganischen Substanzen. Wenn diese die Beschaffenheit des Trinkwassers oder die Funktion der Anlage beeinträchtigen, ist eine Reinigung erforderlich.

Wie funktioniert die thermische Desinfektion?

„Bei der thermischen Desinfektion zur Legionellenbekämpfung im Sinne des DVGW-Arbeitsblattes W 551 wird die Wassertemperatur so eingestellt, dass sie an allen Stellen der Trinkwasser-Installation für mindestens 3 Minuten mehr als 70 °C beträgt. Dies muss geprüft und dokumentiert werden.

Eine thermische Desinfektion kann auch zur Inaktivierung anderer Mikroorganismen, z.B. Pseudomonas aeruginosa, ggf. mit anderen Temperaturen und Einwirkzeiten, eingesetzt werden. Bei thermischen Desinfektionen sind besondere sicherheitstechnische Aspekte wie Berührungsschutz und Verbrühungsschutz zu beachten.“

(Quelle: twin Nr. 05, Stand April 2009)

Was ist eine Legionellenschaltung?

Die sogenannte Legionellenschaltung ist ein periodisch arbeitendes Verfahren. Dabei wird das Warmwasser in definierten Zeitabständen erhitzt. Die Wirksamkeit ist fraglich. Das Umweltbundesamt hält die Legionellenschaltung und ähnliche Anlagen nicht geeignet für das Verringern der Legionellenkonzentration.

Wie funktioniert die chemische Anlagen-Desinfektion?

„Für die chemische Desinfektion kommen Desinfektionsmittel wie Natriumhypochlorit, Chlordioxid und Wasserstoffperoxid zum Einsatz. Die Anwendungskonzentrationen zur Desinfektion der Anlage liegen deutlich über den zur Desinfektion des Trinkwassers nach der Trinkwasserverordnung zulässigen Konzentrationen. Die erforderlichen Reaktionszeiten oder Einwirkzeiten können bis zu 24 Stunden betragen.

Eine wirksame Konzentration des Desinfektionsmittels ist an jeder Entnahmestelle nachzuweisen und zu dokumentieren.“ Nach Abschluss der Desinfektion ist die Anlage bis zur völligen Entfernung des Desinfektionsmittels mit Trinkwasser zu spülen.

(Quelle: entsprechend twin Nr. 05, Stand April 2009)

Warum reicht eine Desinfektion nicht aus?

Die thermische Desinfektion gilt häufig als bestes Desinfektionsverfahren. Dabei wird jede Zapfstelle für mindestens 3 Minuten mit über 70 °C heißem Wasser gespült. Jedoch müssen die Werkstoffe der Anlage dafür geeignet sein. Bei großen Gebäuden, Objekten und Anlagen kann diese Form der Desinfektion nur etappenweise (strangweise) erfolgen (von der ersten bis zur letzten Entnahmestelle). Jedoch reicht diese meist nicht aus, um den technischen Maßnahmenwert für Legionellen effektiv und dauerhaft zu unterschreiten.

Zur chemischen Desinfektion gibt es statische und dynamische Verfahren. Die Standdesinfektion hat mehrere Nachteile. Im Laufe der Einwirkzeit kommt es durch Reaktion mit den in der Rohrleitung vorhandenen Stoffen, beispielsweise bei Verunreinigungen, zu einer stetigen Abnahme der Desinfektionsmittelkonzentration (Zehrung). Die Wirksamkeit bei der Standdesinfektion lässt also zunehmend nach. Bei ausgeprägten Ablagerungen oder Biofilmen wirkt die Desinfektion nur oberflächlich. Rückzugsräume und Einnistungsmöglichkeiten von Mikroorganismen bleiben trotz Desinfektion erhalten.

„Da Desinfektionsmittel stark oxidierende Substanzen sind, kann es unter ungünstigen Umständen außerdem bereits bei einmaliger Anwendung zu einer Schädigung der in der Trinkwasser-Installation eingesetzten Werkstoffe (Metalle, Kunststoffe und Elastomere) kommen.“

(Quelle: twin Nr. 05, Stand April 2009)

Warum ist eine Reinigung effektiver?

Suspendierte oder im Wasser gelöst Verunreinigungen lassen sich ohne größere Schwierigkeiten aus der Trinkwasser-Installation herausspülen. Problematisch sind die unlöslichen und an der Innenoberfläche haftenden Ablagerungen und Biofilme.

Deshalb ist eine intensive mechanische Reinigung erforderlich, um diese Verunreinigungen auszutragen. Die Desinfektion kann eine ergänzende Maßnahme sein.

Es ist erforderlich, die Partikel oder Korrosionsprodukte durch Spülen oder andere Reinigungsmaßnahmen zu entfernen, da die Desinfektion die darin eingebetteten Mikroorganismen so gut wie nicht erreicht.

Die wichtigste Maßnahme zum Beseitigen von Verunreinigungen ist in jedem Fall die Reinigung.

Das Impulsspülverfahren COMPREX® ist eine wirksame Reinigungsmaßnahme bei Legionellen-Kontamination.

Warum Impulsspülverfahren COMPREX®?

Das Impulsspülverfahren COMPREX® reinigt intensiv nur mit Druckluft und Wasser. Es findet Anwendung bei festen Ablagerungen und Inkrustationen sowie mikrobieller Kontamination. Als Experten für die mechanische Reinigung wenden wir unser COMPREX®-Verfahren seit 1997 bei Rohrleitungen und Systemen an, seit 2005 bei Trinkwasser-Installationen.

Betreiber berichten oft, dass sie bei Kontaminationen lange nach einer wirksamen Lösung suchen. Erst nachdem verschiedene Maßnahmen keinen Erfolg hatten, wird eine Reinigung in Betracht gezogen. Dabei ist die mechanische Reinigung von Trinkwasser-Installationen etabliert und laut DVGW-Arbeitsblatt W 557 der erste Schritt zur Beseitigung einer Kontamination.

Wir stehen Ihnen gerne für ein unverbindliches Beratungsgespräch zur Verfügung.

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