Pseudomonaden in Trinkwasser-Installationen: 10 wichtige Fakten

Pseudomonaden
In Trinkwasserleitungen können mikrobiologische Kontaminationen entstehen. Die Ursachen dafür sind bau-, betriebs- oder verfahrenstechnische Mängel. Pseudomonaden, insbesondere Pseudomonas aeruginosa sind stäbchenförmige Bakterien. Sie können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich sein. Sie sind ein gefürchteter Krankenhauskeim mit Antibiotikaresistenz. Daher ist im Falle einer Kontamination schnelles Handeln gefragt.

Inhalte des Artikels

Warum sind Pseudomonaden so gefährlich?

Pseudomonas aeruginosa ist ein weit verbreiteter Boden- und Wasserkeim. Pseudomonaden können eine Vielzahl von Krankheiten auslösen, darunter Lungenentzündungen verbunden mit hoher Sterblichkeit. Der Krankheitserreger besitzt von Natur aus Mehrfachresistenzen gegenüber Antibiotika und ist einer der häufigsten Krankenhauskeime. Besonders für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann der Keim gefährlich werden.

Wie werden Pseudomonaden übertragen?

Pseudomonaden werden im Gegensatz zu Legionellen nicht nur über Aerosole übertragen, sondern können auch durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen sowie direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Kontaminiertes Wasser ist dabei ein wichtiger Faktor.

Wie vermehren sich Pseudomonaden?

„P. aeruginosa zeichnet sich durch Eigenschaften wie geringe Nährstoffansprüche, Wachstum in einem breiten Temperaturbereich sowie die Fähigkeit zur Biofilmbildung aus und ist in der Lage, sowohl in wasserführenden Systemen als auch in destilliertem Wasser zu überleben und sich zu vermehren.“ (Empfehlung des Umweltbundesamtes)

Wie gelangen die Pseudomonaden in die Trinkwasser-Installation?

„Der Eintrag in das Trinkwassersystem kann über kontaminierte Materialien bei Bauarbeiten am Leitungsnetz oder bei Arbeiten an bestehenden bzw. neu errichteten Trinkwasser-Installationen erfolgen [6]. Als Folge eines Eintrages ist die Besiedlung verschiedenster Materialklassen wie Edelstahl, Kunststoffe, Weich-PVC oder Dichtmaterialien möglich, wobei neue Materialien ohne bestehenden Biofilm stärker besiedelt werden als Oberflächen mit einem vorhandenen Trinkwasser-Biofilm. Eine Vermehrung ist nur dann gegeben, wenn eine Nährstoffquelle vorliegt, z. B. auf der Oberfläche von Materialien ohne Eignung entsprechend DVGW W 270 [7, 8].“ (Empfehlung des Umweltbundesamtes)

Quellen für Kontaminationen in Trinkwasser-Installationen können nicht sachgerechte Baumaßnahmen oder Reparaturen sein.

Welche Bedingungen begünstigen das Wachstum von Pseudomonaden?

Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik liegt bei bestimmungsgemäßem Betrieb, d.h. bei regelmäßiger Wasserentnahme die Kaltwassertemperatur unterhalb 25 °C.

Probleme treten auf, wenn:

  • Kaltwasser ist zu warm: über 25 °C, sollte idealerweise unter 20 °C betragen
  • Wärmedämmung der Rohrleitung ist nicht ausreichend: z.B. Kalt- und Warmwasser-Zuleitungen zu eng zusammenliegend oder zu nah an der Heizungsleitung
  • Nicht bestimmungsgemäßer Betrieb: keine regelmäßige Wasserentnahme

Was ist der Unterschied zwischen Desinfektion und Reinigung?

Die Desinfektion dient dem Abtöten und damit der Inaktivierung unerwünschter Mikroorganismen. Es ist zu unterscheiden zwischen Anlagen- und Trinkwasserdesinfektion.

  • Bei der Anlagendesinfektion wird die Trinkwasser-Installation außer Betrieb genommen. Es wird zwischen chemischer und thermischer Desinfektion unterschieden.
  • Bei der Trinkwasserdesinfektion dürfen nur Stoffe der Liste nach §11 der TrinkwV verwendet werden. Die Liste legt Reinheit und maximale Konzentration dieser Stoffe fest. Sie werden dem Trinkwasser kontinuierlich zudosiert.

Die Reinigung dient zum Entfernen von Verunreinigungen mittels Verfahren unter Einsatz von Wasser mit und ohne Zusätze (z.B. Luft oder Feststoffe). Dabei gilt es zwischen Neuanlagen, Reparatur und Bestandsanlagen zu unterscheiden.

  • Bei Neuanlagen und Reparatur sind Montage-Hilfsmittel und unvermeidbare Verunreinigungen auszutragen.
  • In Bestandsanlagen bilden sich mit der Zeit Ablagerungen und Biofilme. Sie bestehen aus organischen oder anorganischen Substanzen. Wenn diese die Beschaffenheit des Trinkwassers oder die Funktion der Anlage beeinträchtigen, ist eine Reinigung erforderlich.

Wie funktioniert die chemische Anlagen-Desinfektion?

„Für die chemische Desinfektion kommen Desinfektionsmittel wie Natriumhypochlorit, Chlordioxid und Wasserstoffperoxid zum Einsatz. Die Anwendungskonzentrationen zur Desinfektion der Anlage liegen deutlich über den zur Desinfektion des Trinkwassers nach der Trinkwasserverordnung zulässigen Konzentrationen. Die erforderlichen Reaktionszeiten oder Einwirkzeiten können bis zu 24 Stunden betragen.

Eine wirksame Konzentration des Desinfektionsmittels ist an jeder Entnahmestelle nachzuweisen und zu dokumentieren.“ Nach Abschluss der Desinfektion ist die Anlage bis zur völligen Entfernung des Desinfektionsmittels mit Trinkwasser zu spülen.

(Quelle: entsprechend twin Nr. 05, Stand April 2009)

Warum reicht eine Desinfektion nicht aus?

Zur chemischen Desinfektion gibt es statische und dynamische Verfahren. Die Standdesinfektion hat mehrere Nachteile. Im Laufe der Einwirkzeit kommt es durch Reaktion mit den in der Rohrleitung vorhandenen Stoffen, beispielsweise bei Verunreinigungen, zu einer stetigen Abnahme der Desinfektionsmittelkonzentration (Zehrung). Die Wirksamkeit bei der Standdesinfektion lässt also zunehmend nach. Bei ausgeprägten Ablagerungen oder Biofilmen wirkt die Desinfektion nur oberflächlich. Rückzugsräume und Einnistungsmöglichkeiten von Mikroorganismen bleiben trotz Desinfektion erhalten.

„Da Desinfektionsmittel stark oxidierende Substanzen sind, kann es unter ungünstigen Umständen außerdem bereits bei einmaliger Anwendung zu einer Schädigung der in der Trinkwasser-Installation eingesetzten Werkstoffe (Metalle, Kunststoffe und Elastomere) kommen.“

(Quelle: twin Nr. 05, Stand April 2009)

Warum ist eine Reinigung effektiver?

Suspendierte oder im Wasser gelöst Verunreinigungen lassen sich ohne größere Schwierigkeiten aus der Trinkwasser-Installation herausspülen. Problematisch sind die unlöslichen und an der Innenoberfläche haftenden Ablagerungen und Biofilme.

Deshalb ist eine intensive mechanische Reinigung erforderlich, um diese Verunreinigungen auszutragen. Die Desinfektion kann eine ergänzende Maßnahme sein.

Es ist erforderlich, die Partikel oder Korrosionsprodukte durch Spülen oder andere Reinigungsmaßnahmen zu entfernen, da die Desinfektion die darin eingebetteten Mikroorganismen so gut wie nicht erreicht.

Die wichtigste Maßnahme zum Beseitigen von Verunreinigungen ist in jedem Fall die Reinigung.

Das Impulsspülverfahren COMPREX® ist eine wirksame Reinigungsmaßnahme bei Legionellen-Kontamination.

Warum Impulsspülverfahren COMPREX®?

Das Impulsspülverfahren COMPREX® reinigt intensiv nur mit Druckluft und Wasser. Es findet Anwendung bei festen Ablagerungen und Inkrustationen sowie mikrobieller Kontamination. Als Experten für die mechanische Reinigung wenden wir unser COMPREX®-Verfahren seit 1997 bei Rohrleitungen und Systemen an, seit 2005 bei Trinkwasser-Installationen.

Betreiber berichten oft, dass sie bei Kontaminationen lange nach einer wirksamen Lösung suchen. Erst nachdem verschiedene Maßnahmen keinen Erfolg hatten, wird eine Reinigung in Betracht gezogen. Dabei ist die mechanische Reinigung von Trinkwasser-Installationen etabliert und laut DVGW-Arbeitsblatt W 557 der erste Schritt zur Beseitigung einer Kontamination.

Wir stehen Ihnen gerne für ein unverbindliches Beratungsgespräch zur Verfügung.